Grundschule Bessenbach, Schule Bessenbach
Hauptmenü
Fotoalben > 2010/11 > 2. Halbjahr-B
Zehn Minuten bis Frankreich: Schüleraustausch mit den Partnergemeinden
34 Schüler der 3. und 4. Klassen vom 23. bis 27. Mai zum Gegenbesuch in Frankreich
Kleines Jubiläum: Zum 25. Mal waren Schüler der Partnergemeinden Bessenbach, Dury, Sains-en-Amiènois und St. Fuscien in der Nähe von Amièns unterwegs, um sich kennen zu lernen, Kontakte zu knüpfen und Freundschaften anzulegen. Natürlich gehören auch immer gemeinsame Ausflüge dazu, um Land und Leute besser zu verstehen, im jährlichen Wechsel.
Los ging es am Montag, kurz nach 8.30 Uhr mit einem Sterntaler-Bus vom Schulbusparkplatz vor der Bessenbachhalle. Ca. 9 Stunden Autobahnfahrt über Köln, Aachen, durch Belgien nach Dury lagen vor uns, die die Kinder sehr diszipliniert und gut beschäftigt überstanden. Erst nach etwa der Hälfte der Fahrstrecke tauchte zum ersten Mal die Frage auf: "Wie lange fahren wir noch?" Aber so oft und wann immer auch gefragt wurde, Busfahrer Helmut antwortete immer: "Noch zehn Minuten."
Fast auf die Minute genau erreichten wir am Spätnachmittag unser Ziel, die Gemeindehalle von Dury. Wir wurden mit einem kleinen Imbiss und Getränken empfangen, für die Einen unbekanntes Neuland, für die Anderen freudiges Wiedersehen, und dann ging es schon ab, meist zu zweit, in den Abend bei den Gastfamilien.
Am nächsten Morgen trafen sich alle zu einem Spiel- und Sportfest auf dem Gelände der Schule von Sains-en-Amiènois mit anschließendem Picknick. Am Nachmittag stand dann der Besuch in Amièns auf dem Programm, mit einem Erkundungsprogramm in einer der bedeutendsten Kathedralen Frankreichs, verschont durch die deutschen Militärs im 2. Weltkrieg, danach ein Spaziergang durch das alte, sehr schön renovierte Fischerviertel und einem Ausklang mit einem Spaziergang im weitläufigen Stadtpark.
Am Abend trafen sich Gäste und Gastgeber zu einem gemeinsamen Picknick und Grillfest auf Einladung des "Comitée du Jumelage", das ziemlich unterkühlt und bewegt verlief (wegen der Temperaturen und des Windes). Über allem schwebte der dichte Rauch des Grills. "Mais on a bien amusé". Alle haben sich gut amüsiert und die Kinder tobten sich auf dem Sportplatz aus.
Der Mittwoch stand im Programm als "zur freien Verfügung in den Familien", was für viele unterschiedliche Unternehmungen genutzt wurde: Einige waren im Schwimmbad (für uns eine völlig neue Erfahrung: Mit Shorts darf man aus hygienischen Gründen damit nicht ins Wasser), andere besuchten die Höhlen von Naours oder die schwimmenden Gärten in Amièns ... . Einer durfte sogar mit dem Zug nach Paris: unser Busfahrer. Das alles bei einem nicht erwarteten Super-Sonnen-Wetter.
Am Donnerstag ging es Richtung Norden ans Meer. Damit wir uns nicht mehr verfahren sollten, musste unser Bus die Führung in der Dreierkolonne übernehmen. Monsieurs Petitpretz, Vorsitzender des Partnerschaftsausschusses, war der Copilot. Er leitete uns sicher, mit vielen Informationen auf der Strecke zu unseren ersten Haltepunkt: der Strand von Ault. Zum Baden ist er zwar nicht sehr attraktiv, weil es dort nur Steine gibt. Aber man konnte gut mit den Wellen kämpfen, weil an diesem Tag das Meer sehr aufgewühlt war. Wer Gummistiefel dabei hatte, dem sind sie meist voll gelaufen. Viele Strand-Fundstücke wurden eingepackt. Mancher hatte vielleicht auch noch einen Seitenblick übrig auf die "Falaises", die imposante Steilküste gleich nebenan.
Ein Wunder bei der Weitläufigkeit des Strandes und der Verständigungsprobleme (Meer und Wind ließen kaum mehr als zwei Meter Hörraum), dass am Ende alle vollständig versammelt in den Bussen saßen.
Nächste Attraktion: Fahrt mit einer Oldtimer-Bahn von Le Crotoy nach St. Valérie. Wir mussten also zuerst einmal nach Le Crotoy. Ähnlich wie bei uns, hat es auch in Nordfrankreich im letzten Vierteljahr zu wenig geregnet. Das Land ist trocken. Uns begleitete ein fast orkanartiger Wind und so mussten wir auf dem Weg nach Le Crotoy einen dichten Staubschleier durchqueren, den es von den großen Feldern über die Autobahn wehte.
Am Bahnhof angekommen, verfolgte uns der Wind auch auf dem Weg zum Strand und am Strand. Aber es tat der Stimmung keinen Abbruch, auch wenn man manchmal besser rückwärts ging und die Luft anhielt.
Die nostalgische Bahn mit der Dampflok, die eineinhalb Stunden vorher angeheizt werden musste, und den harten Holzbänken, brachte uns schließlich nach St. Valérie, einem hübschen Hafenstädtchen in der Baie de la Somme, dem Fluss, der der Region den Namen gibt. Shopping war angesagt.
Ja und dann: Wieder ab nach Hause, unter die Dusche, um zu sehen, wie die graue Staubbrühe im Abfluss verschwindet.
Alles wie im Fluge vorbei!
Am nächsten Morgen ist der Treffpunkt wieder in Sains an der Schule. Ein paar Tränen - Abschied oder Vorfreude auf zu Hause? Noch vor Abfahrt die Äußerung einer Schülerin: "Wir hätten gut noch 14 Tage hier bleiben können". Aber das Passieren der Landesgrenze nach Belgien wird schon freudig kommentiert, Jubel als wir Belgien hinter uns lassen.
"Wie lange noch?" "Zehn Minuten".
Nachtrag und Vorausschau:
Ich stelle eine gewisse Ermüdung fest, was die Bereitschaft betrifft, sich aktiv am Austausch mit den Partnergemeinden zu beteiligen. Das ist sicher auch ein gutes Zeichen, weil jeder für sich persönlich im modernen Europa zu einer Art Kosmopolitismus gefunden und Vorurteile abgebaut hat, Liebens- und Sehenswertes überall findet, sich sogar mit bestimmten Eigenheiten identifiziert. Natürlich gelingt das nur dort, wo man sich öffnet und bereit ist, auch Andersartigkeit zu akzeptieren oder gar zu internalisieren. So hat auch unsere "Jumelage" ihren Beitrag zur Völkerverständigung geleistet. Es wäre aber schade, deshalb öffentliches Engagement und Aktivität einzustellen.
Wir werden für den Schüleraustausch im nächsten Jahr ein Problem haben:
Nachdem sich die Schule von St. Fuscien wieder eingeklinkt hat, erwarten wir im nächsten Jjahr den Gegenbesuch von ca. 100 Personen, die es unterzubringen gilt, ohne schon jetzt von logistischen oder pädagogischen Problemen zu sprechen.
Mein Wunsch wäre, dass sich auch Familien bereit erklären, Gäste unterzubringen, die irgendwann einmal (und sonst nicht mehr) in den letzten 25 Jahren damit Berührung hatten, und solche, die meinen, vielleicht demnächst einmal damit in Berührung zu kommen, oder solche, die damit bisher überhaupt noch keine Berührung hatten.
Udo Stenger, Rektor im Juni 2011





