Grundschule Bessenbach

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Rede zur Amtseinführung Nov. 2011

Am 15.11.2011 wurde ich offiziell zum Schulleiter der Grundschule Bessenbach in einem feierlichen Akt eingeführt.

Im Rahmen der Feierlichkeiten hielt ich folgende Rede:

Als ich vor einigen Jahren bei einem Klassentreffen meiner Grundschule war und wir unseren geladenen ehemaligen Lehrern die Frage stellten, was ihnen am Lehrerberuf besonders gefallen habe (oder noch gefiele), da antwortete mein Lieblingslehrer Herr Messerer (ihn hatte ich in der 5. Klasse Hauptschule) als einziger etwas nachdenklich: Ein Handwerker habe es leichter als ein Lehrer. Er könne am Ende seiner Arbeit Werkstolz über ein fertiges Produkt empfinden. Ein Schreiner beispielsweise erfreue sich dann über den fertigen Schrank. Ja, darauf kann er nach Beendigung seiner Arbeit stolz und zufrieden sein. Wir Lehrer hingegen sehen eigentlich nie das „fertige Produkt“ unserer Arbeit. Denn wann ist ein Schüler schon fertig? Nun freue er, Herr Messerer, sich, dass er endlich einmal ein fertiges Werkstück (und damit deutete er auf mich, der ich diese Fragerunde geleitet habe) sehen dürfe.

Ich als fertiges Werkstück … Welche „Werkmeister“ (abgesehen natürlich von meinen Eltern und Freunden)  haben denn an mir alle gearbeitet, damit ich nun hier so stehen kann, wie ich bin?

Bleiben wir im Bild des Schrankes (auch wenn ich kein „Schrank von einem Mann“ bin J). Als Rohholzmaterial kam ich also von der Uni in Würzburg, die Einzelteile grob vorgeschnitten.

Zusammengesetzt zu einem robusten Schrank mit allen nötigen Funktionen haben mich anfangs zwei Personen:

Da war erstens meine Betreuungslehrerin Angelika Kraus, bei der ich als LAA erleben durfte, wie man mit den jüngsten Schülern umgeht. Wie man Grundlagen schafft, Arbeitshaltungen anlegt, soziale Kompetenzen (damals schon!) wie Hilfsbereitschaft, Höflichkeit, Toleranz, usw. schult und stärkt, wie man gleichzeitig streng (im Sinne von klaren Grenzen setzen) und humorvoll mit den Kindern arbeitet. Das tägliche Unterrichtsgeschehen mit allen Faktoren erlebte ich hier im wahrsten Sinne des Wortes mit allen Sinnen.

Gleichzeitig durfte ich im Seminar von Herrn Wandel alles Rüstzeug, so nannte er das, mitnehmen. Hier wurde naturgemäß auf die richtige Stundenstrukturie­rung, die Fachgemäßheit, das Erfüllen der Grob- und Feinziele geachtet. Tipps und Tricks, Alternativen und Optimierungsvorschläge gab es nach jeder Stundenmitschau bei mir oder bei meinen Seminarkollegen. Auch wenn ich es (wieder naturgemäß) anfangs nicht glauben wollte, sah ich es später sehr schnell ein: Von diesem Rüstzeug profitiere ich mein Leben lang als Lehrer.

Die Einzelteile sind also montiert, der Schrank ist fertig. Zumindest in seiner groben Form.

Welche Werkmeister haben den Schrank, haben mich weiter vervollkommnet? (Nein, ich bin nicht vollkommen J)

Die drei Schulleiter, die ich ab 1997 erleben durfte, haben selbstverständlich auch ihre Spuren hinterlassen:

Als erstes Herr Heßler an der Grundschule in Hösbach, bei dem ich sehr seinen jederzeit respektvollen Umgangston mit seinen Lehrerinnen und Lehrern, Schülerinnen und Schülern und auch Kindern schätzen gelernt habe. Ein Satz von ihm ist bei mir hängengeblieben, der dann gesagt wurde, wenn man mal eine „Extrawurst“ brauchte: „Da machen wir nicht lang rum! …)

Als zweites Ursel Schwarzer, die nach der Pensionierung von Herrn Heßler die Leitung in Hösbach übernahm. Bei ihr lernte ich, dass man sein Team durchaus duzen und trotzdem „Chef“ sein kann.

Und schließlich der „Cheeef“, Udo Stenger, von dem ich gleich ganz viele dicke Scheiben abgeschnitten habe, wenn es um Ruhe und Geduld geht.

Selbstverständlich haben mich noch viele andere beeinflusst: Alle Kolleginnen und Kollegen mit ihren wunderbaren Ideen, ihren verschiedenen Lehrerpersön­lich­keiten, ihrem Humor, ihrem Ärger, ihrer Kritik, ihrem Fleiß, usw. Und natürlich die Kinder, die ich erziehen und unterrichten durfte. Ja, von diesen Kindern lerne ich heute immer noch.

So ist aus diesem rohen Schrank nun ein (fast) fertiges Möbelstück geworden: Mit großen und kleinen Schubladen, mit Intarsien, Geheimfächern, Knöpfen und Scharnieren. Na gut, auf der polierten Oberfläche gibt es die eine oder andere Macke und viele kleine Kratzer, hier und da quietscht ein Scharnier. Aber Umtausch ist ausgeschlossen!

Warum erzähle ich Ihnen das?

Auch wenn wir wissen, dass wir die allermeisten unserer Kinder nie als fertiges Produkt, als fertigen Menschen sehen werden: Wir haben großen Anteil daran, wie sie einmal werden. Haben wir unser Möglichstes getan, damit sie bei uns alles lernen, was sie später einmal brauchen? Und damit meine ich natürlich nicht, ob sie anständig Rechtschreibung oder die Division gelernt haben. Auch nicht die vielen Kompetenzen, wie Schlüsselwörter im Text unterstreichen, einen Vortrag gestalten, ein Portfolio anfertigen, usw. Das gehört selbstverständlich auch dazu.

Aber wie steht es mit ihrer Einstellung zum Leben? Ist es eine positive?

Für mich ist ein Schultag dann gelungen, wenn alle gemeinsam wenigstens einmal herzlich gelacht haben.

Es ist schriftlich belegt, dass schon vor 2000 Jahren Kinder unerwünscht waren. Wenn damals gesagt wurde: „Lasset die Kinder zu mir kommen“ und die Kinder dann geherzt, also behütend in den Arm genommen wurden, was heißt das für uns Lehrer und Eltern heute?

Ziel muss es sein, trotz aller gestiegenen Erwartungen an die Leistungen der Kinder (manche reden von Schulstress), die Kinder noch Kinder sein zu lassen. Ihnen neben allen fachlichen Kenntnissen und fachübergreifenden Arbeits­techniken, die wir ihnen vermitteln wollen, soziale, lebensbejahende  Kompetenzen mit auf den Weg zu geben. Dazu gehören sicherlich Optimismus und eine große Portion Humor.

Vielleicht jammern wir Deutschen (auch wir Lehrer!) zu viel.

Ein Beispiel dazu: Bei einer Fortbildung von Professor Dr. Norbert Seibert, der den Lehrstuhl für Schulpädagogik in Passau innehat, erzählte er uns von einem eindrücklichen Beispiel aus Finnland: Es wurden freiwillige Lehrer gesucht, die an einer der am schlechtesten beurteilten Schulen Finnlands arbeiten wollten. Ziel war es, diesen Status nachhaltig zu ändern. Und siehe da! Die Lehrer haben mit einer positiven Einstellung diese „schlechte“ Schule in eine der besten verändern können. Einen großen Anteil habe, so Professor Seibert, die Einstellung zur pädagogischen Arbeit und v.a. zu den Schülerinnen und Schülern gehabt. Eine gelungene „self fulfilling prophecy“ also.

Ich bin da guten Mutes. Denn in Bessenbach herrscht (auch „diagnostiziert“ von EVA) ein offenes, herzliches und freundliches Arbeitsklima, was sich in einer sehr positiven Lernatmosphäre niederschlägt. Wenn es uns gelingt, neben allem pädagogischen Professionalismus, dies zu konservieren, dann haben wir alle gewonnen: Wir Lehrer, wir Eltern, die Gesellschaft, und nicht zuletzt die Kinder. Und ich sage ausdrücklich: Unsere Kinder.

Charles Everett Koop sagte: „Das Leben bietet keine größere Verantwortung und kein größeres Privileg, als das Aufziehen der nächsten Generation.“

Darum bin ich Lehrer geworden. Darum wollte ich Schulleiter werden.

Ich lade alle Lehrer, alle Eltern, die Gemeinde ein: Lasst uns für unsere Kinder gute Werkmeister sein. Rüsten wir sie aus mit sozialen Kompetenzen, mit einem „Ja“ zum Leben, mit Optimismus und mit Humor. Auf dass eines Tages eines dieser Kinder irgendwo eine Rede hält und sagt: An mir haben viele Menschen gearbeitet, damit ich zu dem wurde, was ich bin. Ganz wichtig war da die Grundschule Bessenbach, auf die ich gerne gegangen bin. Schule war (trotz allem) schön.

 

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